Welche Auswirkungen kann ein Trauma auf mein Leben haben??
Oben ist die Fotografie einer Alpenlandschaft abgebildet,
vom Südschwarzwald aus etwa 90 Kilometer Entfernung aufgenommen. Wenn Sie sich diese Fotografie genauer ansehen, fallen mehrere Bestandteile auf. Im Vordergrund ist eine Nebellandschaft zu erkennen, die Wolken verdecken die Sicht auf das Tal. Die Bergkette im Hintergrund ist nicht in allen Einzelheiten zu erkennen, in den helleren Regionen liegt möglicherweise Schnee.
Das Rot des Himmels ist nur zu bestimmten Tageszeiten sichtbar. Insgesamt bietet sich ein Gesamtbild von Harmonie und Abgeschlossenheit aus dem sicheren Abstand heraus. Würden Sie sich der Bergkette nähern und vielleicht versuchen, den einen oder anderen Berg zu besteigen wäre die Situation eine vollkommen andere. Die meisten Bestandteile des früheren Bildes könnten Sie nicht mehr erkennen, die Farbringe blieben Ihnen verborgen und die Länge der Bergkette könnten Sie nicht einmal erahnen. Die Übersicht ginge verloren, die Masse an Gestein wäre aus der Nähe bedrohlich.
Ähnlich kann die Situation für Menschen sein, die Opfer einer Gewalttat wurden. Sexueller Missbrauch, körperliche Gewalt in Beziehungen, seelische, körperliche und sexuelle Gewalt in der Kindheit sind Erlebnisse, die sich tief und zerstörerisch in das Gedächtnis eingraben. Oft sind die Auswirkungen über Jahre und Jahrzehnte spürbar, sie sind allgegenwärtig, erdrückend, erscheinen lebensbestimmend und sind es in den meisten Fällen auch. <
Erst indem ich zurücktrete, Abstand schaffe kann es mir gelingen, ein vollständiges Bild zu erhalten. Ein Bild ohne Bedrohung, das mir mein Leben in seiner Gesamtheit zeigen kann und nicht mehr die einzelnen Facetten wie in einem bedrohlichen Film scheinbar endlos abspielt.
Oft ist es jedoch so, dass dieser Weg zurück, dass Abstand bekommen einen schwierigen Weg
darstellt. Die Orientierung ist verloren gegangen, alles erscheint wie in viele Teile zersprungen.
Entscheidend dabei ist, dass die früheren Erfahrungen immer wieder auftauchen, sich zum Beispiel in
Gestalt von Bildern bemerkbar machen bei denen es scheint, alles geschehe im "hier und jetzt". Eine wirkliche
Ausheilung, die Bildung von Distanz ist nur schwer möglich.
Hier kann Beratung eine wertvolle Unterstützung leisten, neue Sichtweisen zu erhalten, Abstand einzunehmen und das Lebensbild
in seiner Gesamtheit zu erkennen. Aus diesem Abstand heraus erhalten alte Bilder, alte
Positionen einen neuen Wert, der ihnen wirklich entspricht. Sie verlieren damit an Einfluss.
Lebenschancen können wieder wahrgenommen, neue Perspektiven gemeinsam erarbeitet werden.
Das Bild fügt sich erneut zu einer Gesamtheit.
Wie können sich diese Auswirkungen des Traumas bei mir zeigen??
Zunächst:Manchmal wid auch gesagt, traumatische Reaktionen seien normale Reaktionen auf ein abnormales Ereignis.
Menschen mit traumatisierenden Erfahrungen haben oft einen langen Weg hinter sich. Um mit den Erlebnissen überleben zu können,
wurden diese oft abgespalten, sind in Teilen oder vollständig der Erinnerung nicht mehr zugänglich oder es wurde eine scheinbar
"vernünftige" Erklärung gesucht. Meist sind sich Menschen mit derart abgespaltener Erfahrung der Ursachen nicht bewusst;
starke Gefühle von eigener Schuld und ausgeprägte Redeverbote bestimmen das Verhalten.
Dementsprechend gibt es zahlreiche Beschwerden körperlicher und seelischer Art, unter denen Betroffene leiden können.
Die Vielfalt der Möglichkeiten macht eine Diagnose schwierig, Mangel- und Fehldiagnosen, ausschliessliche medikamentöse Behandlung,
Eigen"medikation" mit Alkohol oder anderen Substanzen sind oft das Ergebnis. Einige der Krankheitsbilder, Risiken und
Störungen, die im Rahmen einer Traumatisierung auftauchen können, sind:
- Angst- und Schlafstörungen,
- Vermeidung bestimmter Orte, Situationen und Personen (oft sind dies Orte an denen sich zahlreiche Menschen aufhalten,
z.B. Strassenbahn (Tram) und Untergrundbahn, Einkaufszentren, Kinos, Theater, Muisikdarbietungen, Schule, Universität, Arbeitsplatz), - Flashbacks, d.h. es tauchen plötzlich Bilder von damals in bisher unbekannter Intensität auf, meist ohne dass diese direkt zugeordnet werden können. Diese Situationen
sind oft gekoppelt an starke Angsgefühle bis hin zur Panik. Charakteristisch ist, dass alles erlebt wrid als "passiere es im hier und jetzt" und wäre keine Erinnerung.
- Erhöhte Wachsamkeit ohne die Möglichkeit, nach Gefährdung oder Bedeutung unterscheiden zu können wird die Umgebung ständig "abgescannt",
- Störungen der Sexualität der Wahrnehmung des Körpers und dem Zulassen von Körperkontakt (Umarmung, Handgeben bei Begrüssung),
- Störungen im Bereich der Abgrenzung gegenüber anderen Personen (Schwierigkeit, "Nein" zu sagen, übermässige Suche nach Nähe, starkes schaffen von Distanz. Dies ist sowohl körperlich
als im geistig/seelischen Sinn zu verstehen) ,
- Konzentrationsstörungen,
- Schwierigkeiten, der eigenen Wahrnehmung zu trauen,
- Störungen der Affektkontrolle "aus der Haut fahren" bei geringen Anlässen,
- Schmerzen bei denen eine organische Ursache ausgeschlossen werden ist (Kopf -und Rückenschmerzen sind oft typisch) bis hin zu Lähmungserscheinungen,
- Depressionen,
- Phobien und Zwänge,
- Selbstverletzung (z.B. "ritzen"),
- Abhängigkeit und Süchte,
- sogenannten Dissoziative Störungen (der/die Betroffene verlässt sozusagen gedanklich eine für ihn bedrohlich wirkende Situation, wirkt "abwesend" oder "verträumt"),
- Selbstmordversuche, Selbstmordgedanken,Selbstmord(Suizid)
besonders in der ersten Phase einer akuten Bewusstwerdung können Suizidgedanken beherrschend werden, hier sind sofortige Hilfe und umgehende
professionelle Unterstützung notwendig. Der alte Volksglaube "wer von Selbstmord spricht, begeht ihn nicht" ist ein Irrtum,
- Promiskuität (häufiger Wechsel von Partnerin oder Partner), sexuell aggressives Verhalten und Sexualisieren (übermässig starke Betonung der Bedeutung von Sexualität)
- Opfersein wiederholtes rutschen in Beziehungen zu gewalttätigen Partnern (oder Partnerinnen)
- Ausgeprägtes Risikoverhalten z.B. Risikosportarten, ungeschützter Verkehr mit häufig wechselnden Partnern (z.B. Barebacking), bewusstes aufsuchen gefährdender Orte, "Kampftrinken"
- Prostitution mehreren Untersuchungen zu Folge waren die meisten Prostituierten früher Opfer sexueller Gewalt ,
Trotz der Vielfalt an möglichen Belastungen ist es immer wieder wichtig sich darüber bewusst zu sein, dass eine Integration des Erlebten möglich ist.
Es ist möglich, den Situationen und Erlebnissen den ihnen gemässen Platz zu geben, den Platz in der abgeschlossenen Vergangenheit.
Es ist möglich, quälende Bilder aus der Vergangenheit schrittweise durch eine positive und gelebte Zukunftsperspektive zu ersetzen.
Es ist möglich, belastende Gefühle von Schuld und Ohnmacht durch eine realistische Wahrnehmung des Jetzt zu ersetzen
Es ist möglich, eigene Ressorucen, d.h. die eigenen Stärken und Möglichkeiten, für sich (neu) zu entdecken und zu nutzen
Es ist möglich, trotz eigener Gewalterfahrung eine für beide befriedigende Partnerschaft zu führen.
